Und was kommt dann?

Die Tage ist das schlimme Erdbeben in Haiti ja in aller Munde. Zu jeder Tageszeit laufen im Fernsehen und Radio Sendungen und Berichte zu den derzeitigen Verhältnissen in dem Land. Das Beben wird als die größte Naturkatastrophe bezeichnet, mit der die Menschheit bisher konfrontiert gewesen war (was ich bezweifle, aber das ist schon wieder ein anderes Thema).

Quelle: United Nations Development Programme

Was mir daran aufstösst und man auch immer wieder bei anderen Katastrophen sehen kann: die unglaubliche Flut an Spendensendungen im Fernsehen, die wahnsinnigen Mengen an Spendengeldern, die auf diese Weise aquiriert werden.

Bitte versteht mich nicht falsch: Es ist nicht so, dass ich diese Spendengelder den Opfern nicht gönnen würde. Ganz im Gegenteil: Ich finde es wunderbar, wie die Menschen in anderen Ländern versuchen, den Betroffenen in Haiti zu helfen. Mir gefällt nur diese damit verbundene Scheinheiligkeit nicht (zumindest erscheint es so für mich, aber ich lasse mich da gerne vom Gegenteil überzeugen).

Ohne den Spendern zu Nahe zu treten und alle über einen Kamm zu scheren: Warum brauch man eine so offensichtlich schlimme Katastrophe, dass man bereit ist 50 oder 100 oder noch mehr Euro zu spenden. Warum braucht man eine so schlimme Katastrophe, dass es den Medien wert ist, Dutzende Spendensammelsendungen ins Programm zu nehmen. Auf der ganzen Welt gibt es Menschen, die ein ähnliches (wenn nicht sogar schlimmeres) Schicksal erleiden wie die Menschen in Haiti. Die diese Erfahrungen schon seit Jahren wenn nicht sogar seit Jahrzehnten durchmachen müssen.

Als ein Beispiel möchte ich hier den Sudan bringen. Von den bewaffneten Konflikten im Südsudan und der Darfur-Region sind 2,5 Millionen (!) Menschen betroffen. Bis 2007 gab es mehr als 200.000 Tote. Trotz der Friedenstruppen gehen diese Gewalttaten weiter, sodass man von deutlich mehr Toten ausgehen kann. Die Infrastruktur in den Gebieten ist weitestgehend zerstört, sodass Hilfsmaßnahmen sehr schwierig sind. Trotz diesen Fakten, die meiner Meinung nach ähnliche, wenn nicht sogar schlimmere Ausmaße haben wie die Katastrophe auf Haiti, kann ich mich an keine Spendeneuphorie erinnern. Dieser Konflikt wird von den Medien so gut wie gar nicht beachtet und gerät dadurch in Vergessenheit.

Und auf der Welt gibt es zahlreiche solcher Beispiele: Somalia (man hört immer nur von den bösen Piraten, allerdings sollte man sich die Frage stellen, warum ein Bruchteil der dort lebenden Menschen zu Piraten werden), DR Kongo (gewaltsame Auseinandersetzungen um Bodenschätze, mit denen die Konsumgier der Industrieländer befriedigt wird), Sri Lanka (Zehntausende Vertriebene und Verletzte nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg), Pakistan (2 Millionen Vertriebene durch bewaffnete Konflikte im Nordwesten des Landes), Afghanistan (ohne Worte) und, und, und. Warum wird immer nur bei großen Naturkatastrophen am eigene Gewissen gerührt.

Dabei kann man mit nicht zweckgebundenen Spenden und besser noch mit monatlichen Spenden viel mehr erreichen als mit einer großen Spende für einen bestimmten Zweck. Die monatliche Spende muss noch nicht einmal groß sein. Würde jeder deutsche Haushalt nur 5€ monatlich Spenden hätte man bereits ein Jahresspendenaufkommen von 200 Millionen Euro. Geld, mit dem viel erreicht werden kann.

Wie gesagt, ich möchte mit diesem Beitrag nicht irgendjemanden vom Spenden für die Erdbebenopfer von Haiti abhalten. Bloß nicht. Sie können jeden Euro gebrauchen. Ich wollte damit nur einen kleinen Denkanstoß über das eigene Spendenverhalten geben.

In diesem Sinne …

Und was kommt dann?

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