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Gedanken zu Google Street View

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Welche Probleme haben eigentlich die Leute mit Googles Street View? Während des anscheinend größten Sommerlochs aller Zeiten hat man sich mangels Fehltritten von Promis oder vermeintlicher Fehlentscheidungen irgendwelcher Politiker derart auf diesen Service von Google eingeschossen, dass die gegenwärtige Diskussion meiner Meinung nach vollständig an der Thematik vorbeigeht. Eine Sache vorweg: Ich bin bei weitem kein Google-Verfechter und nutze die verschiedenen Angebote des Internetriesen nur soweit selbst, wie es für mich vertretbar ist (also eher selten als regelmäßig). Private Daten wie Kontakte oder offizielle E-Mails möchte ich nicht in der Hand von Google wissen.

Zurück zum Thema: Die aktuelle Diskussion und Argumente zu Street View kann ich nur soweit beurteilen, wie ich zufällig durch Medien wie Radio oder Fernsehen darüber informiert werde. Aber dies bekommt ja in der Regel auch Otto-Normalbürger zu hören. Als größtes Argument gegen den Dienst wird ja immer der Datenschutz angeführt, was ich als, gelinde gesagt, Schwachsinn empfinde. Das, was man auf Googles Bildern sieht, ist doch letztendlich nichts anderes als das, was man erlebt, wenn man die Straße “live” entlanggeht. Und dann verhüllt doch auch niemand sein Haus à la Christo, nur damit du es nicht siehst. Als Werkzeug für Einbrecher, um Häuser auszuspionieren, können die Fotos ja auch nur bedingt genutzt werden. Eine “Ortsbegehung” ersetzt der Dienst nicht. Aber welcher Einbrecher steigt schon an der Front eines Hauses ein, wo viel Publikumsverkehr herrscht (denn nur solche Straßen werden in der Regel vom Street-View-Fahrzeug erfasst). Da gibt es ja viel mächtigere Werkzeuge.

Der Dienst Google Earth steht mit keiner Silbe in der Kritik, dabei empfinde ich diesen als weitaus bedenklicher, was den Datenschutz betrifft. Gerade in Ballungsräumen gibt es äußerst detaillierte Luftbildaufnahmen, die sogar Fahrzeugmodelle vor den Häusern erkennen lässt. Mit diesem Werkzeug lässt sich wunderbar ausspionieren, wie man z.B. unbemerkt auf Grundstücke kommen kann. Aber hier schwingt niemand die Datenschutzkeule.

Weshalb die Politiker gerade so auf diesen Zug aufspringen, ist mir ein Rätsel. Sind demnächst Wahlen? Die Bigotterie dieser Diskussion hat Christoph auf “Linux und ich” sehr schön dargestellt.

Mir hat im Übrigen Street View bereits geholfen. Im letzten Urlaub in Frankreich habe ich dank der Bilder den Abzweig zu unserem Ferienhaus gefunden, sodass ich dann vor Ort wusste, wo ich abbiegen musste. Die Hinweisschilder waren durch Plakate verdeckt, sodass ich wahrscheinlich dran vorbeigefahren wäre.

In diesem Sinne verweise ich auf Dieter Nuhr, der auf seinem Twitter-Account folgendes von sich gab:  “Habe neuen Street View Dienst entdeckt. Gehe raus und schaue mir die Häuser live an. Total real! Wahnsinn! Und sogar in 3D!”

Ein Kommentar

  1. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass vorn aus Sinnlosigkeiten ein Politikum wird. Während Google (als einstiger Vorkämpfer der Netzneutraltät) hintenrum mit Verizon über die Zukunft des Internet entscheidet. Dort werden nämlich die eigentlich wichtigen Entscheidungen getroffen, die es Providern ermöglichen würden, 90% der Bandbreite für 1st Class-Services bereitzustellen und 10% für das was wir heute kennen.
    DAS sind nämlich die Fragen, mit denen sich die Politik schon heute befassen müsste. Allerdings ist es sicher erheblich einfacher (denn es erfordert weniger Sachkenntnis) sich mit dem Verpixeln von Häuserfronten zu befassen und die Entscheidungen mit echter Tragweite anderen zu überlassen.

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